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VSF Volkssportfreunde 1977 Altheim e.V.

Insiderbericht einer Handbikerin

Eine gerüttelte Handbike-Fahrt in Altheim
28.6.2008

Nachdem ich vor vielen Jahren noch laufend mehrmals beim Altheimer Abendlauf teilgenommen hatte, durfte ich erstmals mit meinem Handbike an den Start gehen. Vor mir lag eine Halbmarathon-Strecke, die in zwei Runden zu bewältigen war.

Nachdem ich mit ca. vier Minuten Vorsprung in den Wettkampf entlassen worden war, zeigte sich bald, daß die Fahrt zwar nicht schwierig, dennoch aber sehr anstrengend war. Der Weg, der überwiegend durch den Wald führte, war meist schottrig und sorgte so für viel Reibungswiderstand, der sich sehr schnell in den Armen bemerkbar machte. Des weiteren führte der Untergrund dazu, daß ich regelrecht durchgeschüttelt wurde und häufiger nach hinten sah, ob die Hinterräder des Bikes dieser Belastung standhielten oder sich nicht vielleicht doch selbständig von demselben entfernten. Eine erste wirkliche Herausforderung bot sich im Wendepunkt, der sich im Anstieg einer Brücke befand und mit einer 180°-Drehung des Bikes bewältigt werden mußte, was mir in der ersten Runde recht gut gelang.

Nach ca. fünf Kilometern wurde ich bereits vom ersten Läufer überholt, was mich jedoch wenig überraschte, da ich mir meiner Langsamkeit im Wald bewußt war. Weitere Läufer zogen an mir vorbei, wobei sie mich durch ihre Anfeuerungsrufe zu motivieren versuchten, was jedoch nicht nötig war, denn ich empfand riesigen Spaß und wußte, daß ich mein Ziel erreichen würde. Auch einige Streckenposten zeigten sich sehr aktiv, klatschten oder spendeten ermunternde Worte.

Nach der ersten Runde kannte ich die Gegebenheiten und konnte mich nun mit meinem ganzen Elan auf den Rest der Strecke stürzen. Mittlerweile empfand ich die schwüle Hitze im Wald so stark, daß mir der Schweiß in die Augen lief und diese zu brennen begannen. Auch schienen sämtliche geflügelten Insekten an einem Tiefflugmanöver teilzunehmen, so daß es zu ständigen Kollisionen mit meinem Kopf (Helm) kam, zwei Attacken meinen Augen galten und ich eines gar hinunterwürgte, was zu einem leichten Hustenanfall führte. Nichts desto trotz setzte ich meinen Weg fort und wappnete mich für die letzte Schikane, den Wendepunkt. Diesen bewältigte ich diesmal nicht so problemlos, da ich einerseits zu spät nach unten schaltete, andererseits meine Arme auch schon sehr strapaziert waren. Als dies jedoch auch hinter mir lag, wußte ich, daß ich nun das letzte Kraftpotential einsetzen konnte, denn jetzt gab es nur noch den Schotter und später die erholsame Abfahrt, auf der man noch einmal richtig beschleunigen und überholen konnte.

So erreichte ich nach 1:25 Std., begrüßt von einem johlenden Publikum, das Ziel, mit dem glücklichen Gefühl auch hier bist du erwünscht, auch hier bist du angenommen.

Liebe VSF-Lauffreunde, ich danke euch noch einmal ganz herzlich, daß ich bei eurer Veranstaltung habe teilnehmen dürfen, die hervorragend organisiert, die Strecke perfekt markiert war.

Für mich, als ehemalige Läuferin, bedeutet es sehr viel, wenn sich Veranstalter finden, die auch schwerbehinderten Menschen „nicht laufend“ eine Startgenehmigung ermöglichen.

Mit meinen Teilnahmen nehme ich den Aktiven nichts, konkurriere nur mit mir selbst, gewinne ich wieder neues Selbstbewußtsein. Mögen viele gehandikapte Menschen davon hören und den Mut finden, sich ihren persönlichen Platz in unserer Gesellschaft erobern, vielleicht auch im Sport oder auch an einer anderen Stelle. Das ist mein größter Wunsch.

Ihre Karin Schließmann